G. Borrmann
Dankadresse
Im Jahre 1939 habe ich Kalkspat und Quarz durchstrahlt. 1998 erschien Heft 4 von "Crystal Research and Technology" als Festschrift (im vorliegenden Heft ergänzt). Ich lese darin die vertrauten Namen der Gratulanten, sehe ihre Texte. Sie handeln von der Kristalloptik der Röntgenstrahlen oder eng verwandten Themen. Ich darf mich in der Kristalloptik zu Hause fühlen, geborgen im Kreis ihrer Freunde. Habt Dank!
Angefügt seien hier einige Zeilen, die ich jüngst gefunden habe; sie könnten das Thema wohl abrunden.
"Demnach wäre es möglich, daß auch die Anordnung der Teilchen im Körper auf die Durchlässigkeit desselben einen Einfluß ausübte, daß z.B. ein Stück Kalkspat bei gleicher Dicke verschieden durchlässig wäre, wenn dasselbe in der Richtung der Achse oder senkrecht dazu durchstrahlt wird. Versuche mit Kalkspat und Quarz haben aber ein negatives Resultat ergeben."
Sein Resultat hat sich bewährt, diesen Einfluß der Richtung gibt es bei Röntgenstrahlung nicht. Aber es gibt einen anderen. Ist ein Kristall "ideal" in dem Sinn, daß sein Raumgitter keine oder nur sehr wenige Baufehler hat (Prototyp Kalkspat, heute Si) und ist dann die Interferenzbedingung erfüllt, so ist in den durch sie ausgezeichneten Einfallsrichtungen die normale Durchlässigkeit ungültig. Die Absorption ebener Wellen ist ersetzt durch die Absorption der den Fall der Interferenz beherrschenden, dem Raumgitter angepaßten Wellenfelder - dem Gegenstand der "Kristalloptik der Röntgenstrahlen" (P. P. Ewald 1917). Röntgens Vermutung, es wäre "möglich, daß auch die Anordnung der Teilchen im Körper auf die Durchlässigkeit desselben einen Einfluß ausübte", ist zur Gewißheit geworden. Im Idealkristall, bei Interferenz, hängt die Durchlässigkeit von der "Kristallstruktur" ab, von der dreifach periodischen Anordnung der Atome, dem Raumgitter.
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The full text of this paper in pdf-Format is available at Wiley Interscience.